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Rückblick und Silvestergrüße

Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so daß der Vorrat für ein Jahr reicht.
Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge 3 gehäufte Eßlöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt.
Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen.
Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit.
(Katharina Elisabeth Goethe, Mutter v. Johann Wolfgang von Goethe)

Ein absolut produktives und fruchtbares Jahr neigt sich dem Ende zu und die Gemeinschaft des Garten Unser-Verein möchte sich hiermit noch ein mal bei allen tatkräftigen Unterstützern und Mitwirkenden bedanken, welche es mit uns ermöglicht haben dieses wundervolle Projekt heuer umzusetzen!

In diesem Sinne wünschen WIR erholsame Feiertage und ein wundervolles neues Jahr 2016.

Auf bald, Garten Unser-Döbling 🙂

Der Gartenzaun als Raumgrenze?

Schon der Begriff Garten, der aus dem Indogermanischen abgeleitet ist und so viel wie „das Eingefasste“ bedeutet, verweist auf die Umzäunung – und damit Abgrenzung – als einen seiner wesentlichen Bestandteile. Die Grenze kann sogar als ausschlaggebend für des Ambiente des Gartens als Ruhe- und Rückzugsort gedeutet werden: Der Zaun grenzt den Garten ab von äußeren Turbulenzen, vermittelt dabei nicht das Gefühl des Eingesperrt-Seins sondern vielmehr jenes der Sicherheit, wodurch die Möglichkeit besteht, die Seele baumeln zu lassen. Indirekt angesprochen wird dabei das ein- beziehungsweise ausschließende Moment in der Konstitution von Raum, das durch die Form der Grenze ausgelöst oder verstärkt werden kann. Georg Simmel zufolge liegt die Funktion der Grenze in eben dieser Abgrenzung nach Außen und dem Zusammenschluss nach Innen. Für die sich im Garten Befindenden übernimmt der Zaun also eine andere Funktion als für jene außerhalb desselben.

Der Gartenzaun vermag aber noch mehr. Als räumliche Struktur verhindert er nicht nur Handlungen – wie etwa das Betreten von Gartenfremden –, er ermöglicht sie auch. Die in vielen Fällen durchsichtigen und nur halbhohen Gartenzäune bieten sich für einen stattfindenden Austausch an, ein „kommunikatives und kooperatives Transzendieren“ wird so möglich und auch forciert. Auch wenn der Zaun eines Gartens die Grenze zwischen Innen und Außen – zum Teil auch zwischen Privat und Öffentlich – markiert, ermöglicht er je nach materieller Beschaffenheit wechselseitigen Austausch, der sich im Gespräch über den Gartenzaun manifestieren kann.

Der Zaun als Grenze des Gartens kann hinsichtlich der Intention der GartennutzerInnen unterschiedlich gestaltet sein und lässt im Gegenzug Rückschlüsse auf die Absichten seiner ErrichterInnen zu. In durchlässiger Form wird mit dem Zaun Kommunikation und Interaktion zwischen Innen und Außen ermöglicht, ebenso kann mit ihm eine Abschirmung einer privaten Zone erreicht werden, indem die Grenze dicht bepflanzt wird oder indem anderweitig für Sichtschutz gesorgt wird. Zentral hierbei ist demnach die materielle Komponente, die auch im Falle des Zaunes ausschlaggebend für seine symbolische Wirkung ist und sich damit auf den Umgang mit beziehungsweise auf die Handlungsmöglichkeiten durch diese Grenze auswirkt. Von Simmel wird die Grenze beschrieben als „(k)eine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen, sondern [als] eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt“. Er betont aber auch, dass sie – sobald materiell geformt – wirksamer ist als jene ohne räumliche Objektivation.
Quelle zum weiterlesen: http://othes.univie.ac.at/3316/1/2008-12-18_0340116.pdf

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